Manchmal reicht ein einzelnes Wort, um eine ganze Domainendung ins Rampenlicht zu rücken. Genau das ist im September 2026 mit .si passiert, der offiziellen Länderendung (ccTLD) von Slowenien. Weil „SI“ die Abkürzung für „Super Intelligence“ ist, schauen plötzlich Investor:innen, Start-ups und Markeninhaber:innen auf eine Endung, die jahrelang ein eher ruhiges Dasein führte. In diesem Beitrag erkläre ich, was passiert ist, wer davon profitiert und was Du jetzt konkret tun kannst.
Wie es zum Boom bei .si-Domains kam
Den Anfang machte Trump mit einer Frage auf Truth Social: Ob man „Artificial Intelligence“ nicht umbenennen solle, weil das Wort „artificial“ die Technologie nach Fälschung klingen lasse. Wenige Tage später kündigte er vor der UN-Generalversammlung an, die US-Regierung werde künftig von „Super Intelligence“ sprechen. Kurz darauf unterzeichnete er eine Executive Order, die alle Bundesbehörden zu dieser Wortwahl verpflichtet. Laut Yahoo Tech begründet das Dokument den Schritt damit, dass heutige Spitzensysteme mehr seien als die Nachahmung einzelner menschlicher Fähigkeiten.
Was „Super Intelligence“ bedeutet
In der Forschung bezeichnet Superintelligenz üblicherweise eine KI, die menschliche Fähigkeiten in praktisch allen Bereichen übertrifft. Dass die US-Regierung den Begriff nun für aktuelle Systeme verwendet, ist eine politische Setzung und keine technische Definition. Für den Domainmarkt ist das zweitrangig: Entscheidend ist, dass die Abkürzung „SI“ mit der Endung .si übereinstimmt, ähnlich wie „AI“ mit .ai, der ccTLD von Anguilla.
Was die Zahlen zeigen
Nach einer Auswertung von Domaintechnik auf Basis von domainnamestat.com kamen an einem normalen Septembertag bisher rund 100 neue .si-Domains hinzu. Am Tag nach der UN-Rede waren es mehr als 3000, und in der Woche danach wurden deutlich mehr .si- als .ai-Domains registriert. Register.si, die Registry für .si-Domains, meldet für den gesamten September rund 46000 neue .si-Domains. In den letzten Septembertagen lag das Tempo bei knapp 12000 pro Tag. Der Gesamtbestand überschritt Ende September erstmals die Marke von 200000. Derzeit liegt er gemäß den tagesaktuellen Zahlen der Registry bereits bei fast 300000.
Wichtig zur Einordnung: Die Registry warnt selbst davor, den gesamten Anstieg allein Trump zuzuschreiben. Schon im Mai lag die Zahl der Registrierungen laut Domaintechnik beim Dreifachen eines normalen Monats, weil Investor:innen früh auf „SI“ als Kürzel für Superintelligenz gesetzt hatten. Nach Trumps Ankündigung nahm der Anstieg aber nochmals völlig neue Dimensionen an.
Was ist .si eigentlich?
.si ist die Länderendung (Country-Code-Top-Level-Domain, kurz ccTLD) von Slowenien. Sie wird von ARNES betrieben, dem Akademischen und Forschungsnetzwerk Sloweniens, das als Registry unter dem Namen Register.si auftritt. Die Registry verwaltet die Datenbank aller .si-Domains und den zentralen DNS-Server der Endung. Verkauft werden die Domains nicht direkt, sondern über akkreditierte Registrare, also Anbieter wie hosttech, die Domains für ihre Kund:innen registrieren. Nach den allgemeinen Bedingungen von ARNES gibt es keine Wohnsitzpflicht; Privatpersonen und Unternehmen aus aller Welt können .si-Domains registrieren.
Auswirkungen auf Registrare und die Registry
Registry: viel Last, wenig Ertrag
Für Register.si ist der Boom vor allem eine technische Bewährungsprobe. Die Registry erklärte laut The Star, trotz der stark gestiegenen Anfragen liefen alle Systeme stabil.
Finanziell fällt der Effekt deutlich kleiner aus als beim Vorbild .ai: Die Registry weist Berichte über Millionengewinne zurück, die Einnahmen pro Domain seien gering. Das Branchenmedium Domain Name Wire schätzt die zusätzlichen Einnahmen im September auf rund 300000 Euro. Zum Vergleich: Anguilla, dem die Endung .ai gehört, nahm 2025 rund 85 Millionen US-Dollar ein, etwa 47 Prozent des Staatshaushalts.
Registrare: Nachfrage, aber auch Verantwortung
Für Registrare bedeutet der Boom zunächst mehr Registrierungen und mehr Anfragen im Support. Und auch für sie ist der schnelle Anstieg der Bestellungen eine technische Herausforderung. So konnte etwa die Verfügbarkeitsprüfung für .si-Domains kurzzeitig nicht mehr gewährleistet werden. So war auch für uns zeitweise die Abfrage der Verfügbarkeit bei unserem Partner nicht möglich. Die Server einiger Registrare waren schlicht überfordert mit der großen Menge gleichzeitiger Abfragen. Diese Problematik konnte mittlerweile aber wieder behoben werden.
Spekulation und Phishing-Risiko
Ein erheblicher Teil der Nachfrage ist spekulativ. Laut Netcraft wurde gut die Hälfte der .si-Domains, die in einem Stichprobenzeitraum bei einem US-Registrar registriert wurden, kurz darauf zum Verkauf angeboten. Für einzelne Namen werden Millionenbeträge aufgerufen. Ob sich solche Preise je erzielen lassen, ist offen; bekannt gewordene Verkäufe lagen im ersten Halbjahr deutlich darunter.
Dazu kommt ein Sicherheitsaspekt. Auf der Tastatur liegt das „s“ direkt neben dem „a“, eine .si-Adresse ist also nur einen Tippfehler von einer .ai-Adresse entfernt. Netcraft zählte mehr als 44000 .si-Domains, die denselben Namen wie eine bestehende .ai-Domain tragen. Die Sicherheitsforscher:innen warnen, dass solche Doppelgänger für Phishing genutzt werden könnten. Für Registrare heißt das: Missbrauchsmeldungen werden wichtiger. Für dich heißt es: Gib Zugangsdaten nur auf Adressen ein, die du selbst geprüft hast.
Sind die Preise für .si-Domains gestiegen?
Nach allem, was öffentlich bekannt ist, nein: Die Registry hat den Großhandelspreis zuletzt zum 1. Januar 2023 angepasst. Hinweise auf eine neue Erhöhung wegen des Booms gibt es bisher nicht, die Registry nennt gegenüber Medien weiterhin den bekannten Preis pro Domain. Die Endkundenpreise legen die Registrare selbst fest, sie unterscheiden sich daher teils deutlich. Manche Anbieter arbeiten mit Aktionspreisen im ersten Jahr, andere setzen .si als Spezial-Endung höher an. Bei der Aussage „Preise gestiegen“ musst Du also unterscheiden: Der Registrierungspreis ist nach aktuellem Stand stabil. Teurer geworden ist der Zweitmarkt, also der Kauf bereits registrierter Namen von Investor:innen.
Bei hosttech kosten .si-Domains bereits seit Jahren CHF 37.50 pro Jahr. Das gilt sowohl im ersten Jahr, als auch für die Verlängerung.
Zwei Unterschiede zu .ai sind praktisch relevant. Erstens lassen sich .si-Domains für ein einzelnes Jahr registrieren, während für .ai eine Mindestlaufzeit von zwei Jahren gilt. Zweitens ist .si im Vergleich zu .ai grundsätzlich deutlich günstiger. Aktuelle Preise aller bei uns registrierbaren Domains, inklusive .ai und .si, findest du auf der hosttech-Domainpreisliste.
Was bedeutet der Boom für Kund:innen, die Domains registrieren wollen?
Wenn du jetzt eine .si-Domain registrieren möchtest, solltest du drei Dinge beachten.
Gute Namen sind schnell weg
Kurze, einprägsame und KI-nahe Begriffe sind größtenteils bereits vergeben oder stehen bei Investor:innen zum Verkauf. Prüfe Deinen Wunschnamen, bevor du Logo, Visitenkarten oder Kampagnen darauf aufbaust. Ist der Name belegt, ist eine Alternative meist günstiger als ein Aufkauf.
Plane mit Folgekosten und Laufzeit
Registriere nur, was du tatsächlich brauchst, und aktiviere die automatische Verlängerung. Ob „SI“ als Kürzel dauerhaft bleibt oder eine Mode aus Washington ist, kann heute niemand seriös sagen. Wer breit auf Verdacht registriert, trägt das Risiko der Folgekosten selbst.
Denk an Länderbezug und Suchmaschinen
.si bleibt formal eine Länderendung. Google versteht Länderendungen grundsätzlich als Signal für ein bestimmtes Land, nur einzelne Endungen wie .tv oder .me werden als generisch behandelt. Wenn Du mit einer .si-Domain Kund:innen in der DACH-Region ansprechen willst, prüfe in der Google-Dokumentation, wie die Endung eingestuft wird, und plane Deine Weiterleitungen und Sprachversionen entsprechend.
Neben .ai jetzt auch .si registrieren?
Die kurze Antwort: Nur dann, wenn ein konkreter Grund dafür spricht. Ein pauschales „Ja“ wäre ebenso wenig seriös wie ein pauschales „Nein“.
Wann sich die zusätzliche .si-Domain lohnt
Eine .si-Domain ist sinnvoll, wenn du bereits eine .ai-Domain für ein KI-Produkt oder eine KI-Marke betreibst. Dann geht es weniger um die Trendwette als um Markenschutz. Die Registry rät Inhaber:innen von Marken, Firmennamen und Slogans selbst, sich ihre .si-Domain möglichst früh zu sichern. Das passt zur Phishing-Warnung von Netcraft: Wer die Tippfehler-Variante seiner eigenen .ai-Adresse selbst registriert, nimmt Betrügern die Gelegenheit. Auch für Start-ups, die offensiv mit dem Begriff „Super Intelligence“ arbeiten, kann eine passende .si-Adresse ein starkes Branding sein.
Wann Du darauf verzichten kannst
Für Websites ohne KI-Bezug, für lokale Unternehmen oder für Projekte, die nur eine einzige gute Domain brauchen, bringt .si wenig. Auch als reines Spekulationsobjekt rate ich ab: Ein Großteil der Anbieter am Zweitmarkt wartet auf dieselben Käufer:innen, und die wenigsten Domains werden tatsächlich genutzt. Wer .si registriert, sollte sie auch auf eine Website oder zumindest auf eine Weiterleitung zeigen lassen.
Fazit
Der .si-Boom zeigt, wie stark eine Domain-Endung von einem einzelnen Begriff profitieren kann. Die Registry bleibt dabei erstaunlich nüchtern: Die Systeme laufen stabil, die Einnahmen sind überschaubar, an den Registrierungspreisen hat sich nach aktuellem Stand nichts geändert. Teuer wird es nur am Zweitmarkt. Für Dich gilt: Wenn Du bereits eine .ai-Domain besitzt und Deine Marke schützen willst, ist eine zusätzliche .si-Domain eine sinnvolle, günstige Absicherung. Für alle anderen bleibt sie eine Option, aber keine Pflicht. Prüfe jetzt Deine Wunschdomain und sichere dir passende Varianten.
FAQ zu .si-Domains
Warum sind .si-Domains plötzlich so gefragt?
Weil Donald Trump künstliche Intelligenz künftig „Super Intelligence“ (SI) nennen will und die Domain-Endung .si mit dieser Abkürzung übereinstimmt. Seit seiner Rede vor der UN-Generalversammlung und der anschließenden Executive Order Ende September haben sich die Registrierungen stark erhöht. Ein Teil des Anstiegs geht auf Spekulation zurück, und schon im Mai gab es erste Wetten auf die Abkürzung.
Wer betreibt die .si-Domain?
Die Registry Register.si, die zum Akademischen und Forschungsnetzwerk Sloweniens (ARNES) gehört. Sie betreibt die Datenbank und den zentralen DNS-Server der Endung und arbeitet mit akkreditierten Registraren zusammen. Endkund:innen registrieren ihre Domain also über einen Registrar.
Sind .si-Domains wegen der Nachfrage teurer geworden?
Nach aktuellem Stand nicht. Die Registry hat ihren Großhandelspreis zuletzt Anfang 2023 angepasst und nach öffentlichen Angaben wegen des Booms nicht erhöht. Die Endkundenpreise legen die Registrare fest, sie können daher variieren. Teurer sind vor allem Namen, die Investor:innen auf dem Zweitmarkt anbieten.
Kann ich .si-Domains registrieren, ohne in Slowenien zu wohnen?
Ja. Nach den allgemeinen Bedingungen von ARNES gibt es keine Wohnsitz- oder Nationalitätsvorgabe. Privatpersonen und Unternehmen aus aller Welt können .si-Domains registrieren. Wichtig sind vollständige Kontaktdaten und eine gültige E-Mail-Adresse, da die Registry sie als offiziellen Kommunikationskanal nutzt.
Sollte ich zusätzlich zu meiner .ai-Domain auch die .si-Domain registrieren?
Wenn Du eine KI-Marke betreibst, ist das sinnvoll: Eine .si-Adresse liegt nur einen Tippfehler von der .ai-Adresse entfernt und eignet sich für Phishing. Mit der eigenen Registrierung schützt Du Marke und Kund:innen. Für Projekte ohne KI-Bezug brauchst Du sie nicht.
